Alemannia Aachen - Wehen Wiesbaden 2:1

Der erste Auftaktsieg seit neun Jahren ist im Endeffekt verdient, war aber kein Zuckerschlecken: die Nervosität war greifbar und äußerte sich hauptsächlich in der Ermangelung an geistiger Frische...
Selbst das frühe Führungstor durch Auer (6.) bewirkte nur, dass der Schwung der Anfangsminuten komischerweise schnell verflachte. In Halbzeit 1 kamen die Bälle nur selten an, es war kaum Bewegung zu erkennen und besonders die Außen meldeten sich irgendwie selber ab. Während sich Milchraum in Durchgang 2 einigermaßen erholte, hatte Brinkmann wohl einen rabenschwarzen Tag erwischt. Auch Lehmann stand zunächst völlig neben der Kappe. Der einzige, der konstant über 90 Minuten Fußball spielte war Szílard Nemeth. Mit dem kriegen wir noch Spaß! Hoffentlich bleibt er weitgehend frei von Verletzungen.
Das Gegentor war dumm, kann aber passieren; Szukala verschätzte sich und ließ Gegenspieler Orahovac ziehen (23.). Insgesamt war die Ideenlosigkeit überdeutlich, die es unmöglich machte, den relativ defensiv stehenden Gegner aus Wiesbaden aus der Reserve zu locken. Da hat Seeberger noch eine Menge Arbeit vor sich, denn wenn sich mal ein Gegner richtig hinten rein stellt, sehen wir alt aus.
Halbzeit 2 begann ohne personelle Veränderungen, allerdings schien die Kabinenansprache laaangsam Wirkung zu zeigen: die Pässe kamen etwas genauer, es wurden weniger lange Diagonalbälle gespielt und das Heft wieder in die Hand genommen - zumindest der Wille war jetzt da. Aachen wirkte jetzt einfach wacher. Schwung kam mit dem eingewechselten Daun, der den völlig desolaten Brinkmann ersetzte und tatsächlich auch im rechten Mittelfeld spielte, wobei man allerdings zugeben muss, dass Wehen nach dem erneuten Führungstor durch Szukala (58.) etwas mehr öffnete und wir natürlich mehr Räume hatten. Trotzdem war das Umschalten oftmals noch sehr behäbig, es rückten kaum noch Leute nach und so versandeten einige vielversprechende Konter viel zu einfach. Ein wenig Glück und ein gut aufgelegter Stuckmann verhinderten den erneuten Ausgleich. Auf der anderen Seite hätten wir aber auch noch mindestens zwei Tore machen können (Lehmann, Nemeth, Auer, ...), da wir spielerisch ein wenig zulegen konnten.
Wie gesagt, der Sieg ist übers gesamte Spiel gesehen verdient, aber auch ein wenig glücklich. Von der geforderten Dominanz war noch nicht viel zu sehen (beide Tore nach Standards), was aber am Anfang der Saison durchaus noch sein kann. Spielerisch waren einige gute Ansätze zu sehen, wenn es schnell über die Außen ging oder im Zusammenspiel Auer/Nemeth. Achenbach hat ein paar gute Flanken schlagen können und wenn sich Milchraum noch (deutlich) steigert, ergeben sich dazu noch öfter Gelegenheiten. Brinkmann... na ja, wie gesagt, schlechten Tag erwischt.
Das Team muss sich als solches jetzt auch unter Wettbewerbsbedingungen finden. Auf dem Platz wurde gestern viel geredet, was an sich ein gutes Zeichen ist bzw. sein kann, wenn die Ansprachen ankommen. Allerdings war sowohl bei Mannschaft, als auch bei Zuschauern zu merken, dass der Druck doch recht hoch ist: das Team schien sich bewusst zu sein, das der Umbau innerhalb der Mannschaft eine gewisse Erwartungshaltung hervorgerufen hat und das Publikum war sich wohl noch nicht sicher, was es von diesem neuen Gesicht zu sehen bekommt. Nun ja, das werden wir wohl erst nach fünf bis sieben Spieltagen wissen...
Spielberichte hier, hier, hier und hier.
chrees - 16. Aug, 14:09
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