Alemannia Aachen - RW Ahlen 0:2

Dummheit und Unreife besiegeln die erste Heimpleite der Saison. Ahlen gewinnt verdient am Tivoli mit 2:0.
Vorab: der Schiedsrichter des Spiels war, gelinde gesagt, eine Nulpe! Die Alemannia hatte gestern viele Studenten mit Freikarten zum Heimspiel eingeladen; den ältesten der Erstsemestler haben sie mitgebracht und das Spiel pfeifen lassen. Der Mann hat aus einem Kontaktsport ein Treffen puritanischer Teenager gemacht: Berühren verboten! Warf mit gelben Karten nur so um sich und hob den Arm für beide Mannschaften oftmals nicht nachvollziehbar in eine willkürliche Richtung. Dieser Mann und sein Team an den Linien dürften sobald kein Profispiel mehr pfeifen... Damit genug der Schiedsrichterschelte, denn die Niederlage war keineswegs seine Schuld, auch wenn er ein energischeres Einschreiten unseres Teams konsequent unterband.
"Ich denke, dass wir als ganze Mannschaft versagt haben", bringt es Timo Achenbach auf den Punkt. Selbst wenn Stuckmann beim ersten Tor ("Das nehme ich auf meine Kappe!") mehr als nur eine Karius-und-Baktus-Mauer stellt und den dennoch haltbaren Ball abwehrt und Olajengbesi bei zweiten Tor aus welchen Gründen auch immer nicht einfach nur stehen geblieben wäre (für den Rest des Spiels hörte er gar nicht mehr auf, sich an den Kopf zu fassen), ein Tor wäre uns gestern trotzdem nicht gelungen.
In den Stimmen zum Spiel ist oft von angerührtem Beton die Rede, von einem Gegner, der sich hinten rein stellte und auf Konter wartete. Ganz falsch ist das nicht, aber mein Eindruck war, dass Ahlen nicht hinten, sondern schon in der Mitte zu machte. Aachen wurde konsequent im Spielaufbau gestört, schon Olajengbesi und Achenbach, über die der Aufbau über weite Strecken versuchte wurde, wurden angegangen. Von Anfang an hatte ich das Gefühl, dass Lehmann und auch Plaßhenrich eher vor dem Ball weg liefen, als sich an der Mittellinie anzubieten und so die ersten Räume zu schaffen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan, aber Ahlen hatte in jeder Situation des Spiels mindestens zwei potenzielle Anspielstationen durch - Bewegung! Diese fehlte unserem Spiel 90 Minuten lang. Weshalb wir zu halbgaren Abspielen gezwungen wurden, die eben selten ankamen. In Halbzeit eins gab es dennoch einige gute Kombinationen, in denen es schnell ging, wodurch es auch sofort halbwegs gefährlich wurde. Allerdings bleibt festzuhalten: so gut das Kollektiv z.B. gegen Mainz funktionierte, so mies war es gestern. Keiner erreichte zumindest Normalform. Kein Nemeth, kein Holtby, kein Olajengbesi, kein Stuckmann. Macht der Gegner nicht das Spiel, sondern wartet ab und auf Konter, sind wir hoffnungslos unterlegen. Da fehlen die Ideen und Spieler, die das Spiel an sich reißen und mal Dampf machen. Spieler, die nach 30 Minuten vergeblicher hoher Bälle erkennen, dass man das Pöllen mal wieder einstellt und von hinten heraus mit flachen Bällen agiert, Räume schaffen und rennen muss. Steht uns jemand auf den Füßen, werden wir nervös. Unverständlich, spielen können wir ja eigentlich.
Die Niederlage gestern ist ein herber Rückschlag. Nicht nur, weil die Heimserie gerissen ist, in der letzten Saison auf dem altehrwürdigen Tivoli. Sie hat darüberhinaus gezeigt, dass die Entwicklung der Mannschaft bei Weitem nicht so voran geschritten ist, wie uns das die Spiele gegen Mainz oder Freiburg glauben machen wollten. Bei Weitem nicht. Wir sind immer noch die Lehrlinge - jetzt nach den ersten zehn Spielen, nach welchen man laut vieler Aussagen erstmals wirklich einschätzen kann, wo man als Team steht. Da ham wir's. "Die Tabelle lügt nicht", sagt Seeberger. So isses. Und das, obwohl wir ein gutes Team haben, einen guten Kader und nicht nur aufgrund dessen von vielen Trainern der zweiten Liga hoch eingeschätzt werden. Was läuft also falsch?
Vor diesem Hintergrund eigentlich bester Voraussetzungen eröffnet sich mir ein Bild einer fatalen Entwicklung... Ich habe den Eindruck, und zwar seit ungefähr eineinhalb Jahren, dass die Arbeit der Vorjahre konsequent zunichte gemacht wird. Das Renommee der Alemannia als hervorragender Ausbildungs- und Zweiter-Frühlings-Verein, also seine Attraktivität für junge und ihre zweite oder dritte Chance suchende Spieler, als gut aufgestellter Profiklub, geht vor die Hunde. Nur so waren Transfers der Marke auch Meijer, Nemeth, Rolfes, Schlaudraff oder jetzt Achenbach oder Auer zu stemmen. Die sind doch nicht wegen der tollen Autos nach Aachen gekommen. Diese und andere Spieler haben hier Perspektiven gesehen, für den Beginn oder den Abend ihrer Karieren. Wenn wir weiterhin nicht für Ruhe im Umfeld sorgen können (was jetzt auch nicht der Grund für die gestrige Niederlage sein soll) und es auch nicht auf die Reihe bekommen, unsere ganzen Potenziale mal auszuspielen, geben wir nach Außen wieder das Bild der Lachnummer ab, ein Bild des ewigen Scheiterns, trotz bester Möglichkeiten.
Ich will das nicht überdramatisieren, aber die Alemannia ist attraktiv wegen
- des Tivolis und seiner Fans. Letztere bleiben natürlich, der Tivoli ist bald weg. Ob sich die einmalige Aachener Stimmung auf das neue Stadion übertragen lässt, bleibt abzuwarten. Gute Voraussetzungen gibt es auch da, aber wie das so ist mit guten Voraussetzungen in Aachen...
- des sportlichen Erfolgs und der damit verbundenen Perspektiven bezüglich persönlicher Entfaltung, eventuell Aufstieg, etc. Machen wir so weiter, fällt auch dieser Aspekt auf Jahre weg, da sich attraktive Spieler nur noch schwerer Verpflichten lassen.
Spielberichte hier, hier, hier und hier.
chrees - 29. Okt, 09:19
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